“Vor knapp 20 Jahren ging ich auf die Strasse um gegen die wilde Globalisierung der Wirtschaft zu demonstrieren. Eine Globalisierung, die wenig menschliche und soziale Aspekte mit sich bringen würde. Man sagte mir, ich sei konservativ. Man müsse doch weltoffen sein. So ließ sich auch die politische Mehrheit in die Irre führen. Man möchte doch die Wirtschaft global deregulieren und die Globalisierung der sozialen Aspekte würde folgen.

20 Jahre später stehen wir da. Die wirtschaftliche Effizienz der Globalisierung scheint schon länger in schiefer Lage zu stehen und stellt unser rein kapitalistisches Wertesystem einmal mehr in Frage. Nach einer globalen Wirtschaftskrise beherrschen nun Verlustängste die Märkte und die Stimmung im Wohnzimmer. Der wirtschaftliche Liberalismus ist gescheitert und der politische und wirtschaftliche Protektionismus gehört wieder zum alltäglichen Menü. Auf den katastrophalen Zustand der sozialen Werte möchte ich hier gar nicht näher eingehen.

Mein Eindruck ist, dass der Rückzug in grenzgebundene Identitäten (auch Nationalismus genannt), welchen wir seit ein paar Jahre erleben, eine direkte Konsequenz des, aus Sicht des Kapitals, notwendigen Rückzugs in den wirtschaftlichen Protektionismus ist. Die Kernfrage ist, ob es sich hier um eine logische Konsequenz, also im Sinne einer physischen Reaktion handelt, oder ob bei solchen schlagartigen Kursänderungen eine menschliche oder politische Steuerung stattfinden kann. Ich frage mich: Hat diese bereits stattgefunden?

Ich stehe da und die erste Weltmacht hat entschieden einen erzkonservativen Präsidenten zu wählen. Eine globale Weltwirtschaft steht nicht mehr an der Tagesordnung. Der globale Wirtschaftsliberalismus ist heute wohl schlecht fürs Kapital. Es fühlt sich komisch an, dass die politischen Entscheide eines Menschen, der Ausgrenzung und Hass als Hauptargumente in seinem Wahlkampf nutzte, sich zum Teil mit den Idealen eines liberalen und weltoffenen Jungen aus den Neunziger überlappen. Mir wird schlecht.

Donald Trump, ein reicher Mann, hat einen rechtspopulistischen, propagandistischen Wahlkampf geführt um seine konservative Wirtschaftspolitik in den USA und in der Welt durchzuboxen. Ein spiel mit den Massen. Ein spiel mit dem Feuer.  Das gleiche Spiel erleben wir in der Schweiz schon länger. Ein reicher Mann, Christoph Blocher, bedient sich einer einfachen Dialektik und beeinflusst das Land erfolgreich mit plakativen Hasspredigen unter dem politisch korrekten Vorwand: « Es sei doch gut für die Wirtschaft ». 

Der Ausgang des Spiels steht in Europa noch offen. Der Ball liegt nun bei dir. Ich gehe staubsaugen. Scheiss auf die Wirtschaft.”